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2.Woche – Montag

entlang dem Heimweg

Ein fröhliches Hallo nach Hause,

der Alltag in Kalkutta hat uns wieder und wir sitzen nun alle zusammen, lachen miteinander, tauschen uns aus über die Fälle, und planen unsere freie Zeit, naja, großes Kino ist nicht, den Konzertplan finden wir nicht….und so ein Picknick am Flussufer wollen wir uns dann doch verkneifen. In den botanischen Garten kommt man mit Flaschen nicht rein, denn ein  Bierchen wollen wir schon mitnehmen……. naja…!

Wir sind ziemlich entspannt nach der doch heftigen Sprechstunde am heutigen Montag. Maite war nun 3 tage krank und gesundet, Elisabeth packt am Freitag ihren Koffer und sie hat uns alle am Donnerstag Abend eingeladen, am Mittwoch ist Feiertag und der wird hier überall ziemlich ausgelassen gefeiert  – wir erwarten dann am Donnerstag die Unterlegenen der handgreiflichen  Diskussionen.

so wohnen sie außerehalb des Slums .........und so reagieren sie, auf die Frage ob man ein Foto machen darf...

Viele, viele Patienten, (wir schaffen zu zweit im Team so  140 pro tag) begegneten uns heute wieder: eine HIV-Infizierte „Grandma“ 32 kg, in Begleitung ihrer Tochter und Enkeltochter, die besorgt nach der Übertragungsgefahr fragten – die Diagnose ist hier ziemlich verpönt, wir dürfen sie auch nicht offiziell in die Akte schreiben, weil den Betroffenen die Aussetzung droht und sie dann auf der Straße auf ihren Tod warten und elendig dahinsiechen…Leberabszesse, Frakturen – man fragt sich wie die Menschen noch laufen können, Depressionen, verstümmelte Füße durch eine ausgeheilte Lepra mit irrsinnigen Superinfektionen und immer wieder unterernährte, hochfiebernde Kinder und Mütter, denen wir sagen, wie wichtig das Stillen ist….und wenn es dann klappt ….ist es wunderbar und alle sind glücklich. Dennoch ist die Säuglingssterblichkeit noch sehr hoch.

Kalkutta, die Stadt der Freude, ist zum Elendsviertel des Subkontinentes  geworden. Die Luftverschmutzung spüren wir auf der Zunge, teilweise fällt uns das Einatmen schwer, bleihaltiges Wasser aus Rohren des vorigen Jahrhunderts, wenn es dann mal da ist …wir putzen die Zähne mit Trinkwasser aus der Flasche,  Strom ist auch immer mal weg…… aber das gravierendste ist die hoffnungslose Überbevölkerung. Es drängeln sich auf einen Quadratkilometer ca. 30.000 Menschen. Zwei Drittel der Bevölkerung leben in Slums (Bustees), wir sind deren Mitbewohner – diese Menschen haben sich eine kleine soziale Stellung aufgebaut, aber dennoch gibt es noch ca. 1 Million die nur einen Blechnapf und eine dreckige Matte besitzen auf denen sie abends müde aus dem hoffnugslosen Tag in den nächsten schlafen. Sie fristen ihr Dasein, zusammen mit Hunden, Ratten und Dohlen. Krass, immer wieder!

So,

malendes Kind - ganz versunken

dann bis zum nächsten mal!

Ina und Bettina

 

 

 

 

7 Kommentare

  • Thorsten Klemm

    1

    Hallo, Bettina und unebkannterweise Ina! Hut ab vor dem, was Ihr da macht. Da verlieren sich die täglichen Zivilisationssorgen ganz schnell in der Bedeutungslosigkeit. Ich verfolge den blog mit großem Interesse, denn selbst hinfahren kommt wohl eher nicht in Frage. Deshalb immer schön schreiben, gelle... Viele kleine Erfolge!!! Thorsten und Antje

  • Andreas Martin

    2

    Hallo und einen lieben Gruß aus der Heimat. Mit viel Respekt verfolge ich die "Reise" und wünsche weiterhin viel Kraft und Gesundheit!! Liebe Grüße Ihr Andreas Martin

  • Carmen Wendt

    3

    Hey Bettina, jetzt habe ich es endlich geschafft das richtige Tagebuch von dir zu öffnen, muss mich echt blöd angestellt haben. Es ist einfach schön von euch die Berichte zu lesen und an eurem Leben teilnehmen zu können. Man muss sich dabei immer wieder vor Augen halten, wie gut es uns eigentlich geht. Auch ich ziehe den Hut vor dir, dass du den Weg nach Indien gesucht hast und dort mit deinem Wissen und deinen Erfahrungen so vielen Menschen helfen kannst. Mach nur viele, viele Fotos, denn auf die freue ich mich schon am meisten. Ich drück dich ganz toll und lass dich nicht unterkriegen ( da habe ich aber keine Bedenken) Carmen

  • Kerstin, Angela und Louisa

    4

    Voller Spannung verfolgen wir den Einsatz von Euch an den Ärmsten der Armen. Wir sind sehr stolz darauf das auch unsere Chefin Dr.med. Bettina Tunze sich mit im Einsatz befindet. Wir wünschen Euch weiterhin viel Kraft und Durchhaltevermögen für die nächsten Wochen und hoffen das ihr heil und gesund wieder bei uns ankommt! Liebe Grüße das Praxisteam !!!!!

  • Marion und Steffen Klitzsch

    5

    Hallo Bettina, wir freuen uns sehr das es dir noch gut geht und du nicht unter die Räder gekommen bist. Die Bilder sind sehr beeindruckend und stimmen traurig. Wir wünschen dir noch eine erfolgreiche Zeit und ganz viel Kraft die täglichen hohen Anforderungen zu bewältigen. Wir machen hier weiter wie bisher. Liebe Grüße bis bald und passt auf euch auf Marion und Steffen

  • Gisela Alexander

    6

    Hallo, Frau Dr Tunze, auch ich verfolge Ihre Tage Indien und kann alles was sie schreiben nachempfinden.Wie klein und nichtig sind dabei unsere Probleme hier zu Hause. Ich bewundere Ihre Kraft und Ihren Elan. Ich glaube Sie werden mit unendlich viel Reichtum an Erfahrung zurückkehren. Ich wünsche Ihnen Kraft für jeden neuen Tag und immer noch ein Lächeln auf den Lippen. Wir erleben hier einen Traumherbst und können die bunte Färbung des Laubes voll genießen. Leider ist es jetzt abends schon 18 Uhr dunkel - damit beginnt man sich langsam auf Weihnachten einzustellen.Ihnen weiterhin erfüllt Tage.Herzliche Grüße von zu Hause Ihre Gisela Alexander

  • die Zettelmänner aus Taucha

    7

    Liebe Bettina,Liebe Ina, gaaaanz herzliche Grüße aus der Heimat. Wir lesen aufmerksam Eure spannenden und doch für uns nicht vorstellbaren Berichte. Toll,das es so starke Frauen wie Euch gibt,die den Menschen dort helfen. Ganz dicke Drückung,bis bald. Diana

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