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…viel Arbeit und Abschied von Maite

Hallo nach Deutschland, die 4. Woche ist vorbei, unglaublich wie die Zeit fliegt. Vor einem Monat hatte für uns die Welt die Farbe verloren und wir erblickten alles etwas schwermütig in  Schwarz-Weiß, dies war reversibel, wir gewöhnten uns an vieles, nicht an alles, und sind erstaunt darüber, dass es uns gelang.

Heute Abend  sitzen wir zusammen und verabschieden Maite, eine frohmütige, wunderbare junge Frau und Kinderärztin aus Essen, wir werden sie sehr vermissen.

Heftig viel Arbeit steckt uns in den Knochen, leider schwächelt das Immunsystem etwas, d.h. wir sind nicht so richtig fit, die eine mehr, die andere weniger.

Aufgrund des „Schachtfestes“ war unsere Woche auch etwas beeinträchtigt, diese fremdländischen Sitten hinterlassen doch so einige Schrammen in unserem Gemüt. Nicht das die abgezogenen Felle so einfach in unserer Straße rumlagen und uns während des Laufens das Atmen nahm, am Mittwoch früh öffneten wir unsere Wohnungstür und Kinder liefen mit 2 Ziegen die Treppen hoch aufs Dach………. als wir am frühen Abend  nach Hause kamen kreisten mehrere  Raubvögel über die Dächer…..,  es waren Bussarde, so groß wie Geier….! Wir erweiterten unsere Geruchsamplitude um ein Vielfaches….!

Die Nächte hier im Bustee sind sowas von heftig, das glaubt uns keiner. Wir geben mal einen kurzen Abriss. Am Abend singt der Muezzin letztmalig gegen 19 Uhr, heftiges Treiben, Geschrei spielender Kinder und das Gejohle der Halbwüchsigen wird durchtränkt von einem ewigen Gemurmel der sprechenden anderen 100000 Menschen, also immer irgendwie laut. Das ebbt so gegen 23 Uhr leicht ab, wenn die bis zu 3 – jährigen ins Bett gebracht werden. Wenn man dann schon im Bett liegt, weckt einen der laute Schlag des zuschlagenden, lebenssichernden Eisentores des Hauses. Mit etwas Glück schläft man etwas ein…. gegen 1 Uhr wachen die raudigen Hunde auf, die den ganzen Tag in der Sonne dösen und ums Revier kämpfen, aber immer nacheinander  bis gegen 3.30 Uhr. Gut endlich Ruhe – ca. halbe Stunde, dann meldet sich der Muezzin wieder zu Wort, laut und lange —- das übersteht man irgendwie, bis kurz vor 6 Uhr kann man sich genüsslich in die Kissen strecken, denn dann ist die Nacht vorbei  für den Bewohner. Die COPD – kranken reinigen Ihre Lungen mit lauthalsen Expektorationen. Genau unter dem Fenster scheppern dann die Eimer und die Menschen pumpen das Wasser für die vielköpfige Familie, und der Geschäftsmann fängt an seine Waren feilzubieten, und der der am lautesten schreit, hat sicher den größten Absatz…..  Achso, und irgendwann dazwischen wird das riesig Eisenfalttor laut donnernd und krächzend wieder aufgeschoben…….

Denoch sitzen wir dann fröhlich gemeinsam am Frühstückstisch und beginnen den Tag.

Für heute genug, wir melden uns bald, das Wochenende gehört der Geschichte von Kalkutta, wir sehen uns die Paläste an und berichten.

...am Anfang der Woche ohne Worte

Bettina und Ina Gemusetreibender

 

3 Kommentare

  • Jana

    1

    Hallo ihr Kämpferinnen, wer immer diese Tagebucheinträge schreibt, ich fühle mich FAST wie mittendrin. Euch wird Leipzig sicher wie ein ruhiges Dorf vorkommen, wenn ihr wieder hier seid. Die Blätter fallen jetzt stetig und die Bäume werden immer kahler. Durch den Nebel sieht es nun auch wirklich aus wie November. Im Gegensatz zu der Ereignisdichte, die es bei euch gibt, passiert hier praktisch "nüscht". Naja, Rammstein spielt nächste Woche und ich habe Karten. ;-) Ich denke an euch und freue mich auf euren nächsten Tagebucheintrag. Liebe herzliche herbstliche neblig-sonnige Grüße Jana

  • Grit und Matthias Schreiner

    2

    Liebe Bettina, auch von uns ganz liebe Grüße aus dem kalten, aber sonnigen Deutschland an Euch Mutige im Auslandseinsatz. Der Alltag hat uns fest im Griff, und man hat den Eindruck, kaum Luft holen zu können, aber wenn man dann Eure, mit viel Liebe und Witz geschriebenen Seiten liest, merkt man, wie absurd unser täglicher Stress gegen die eigentlichen Probleme dieser Welt ist und bewundert Eure Einsatzbereitschaft, mit einem Funken schlechten Gewissens unsererseits, um so mehr. Wir freuen uns zu lesen, dass die Menschen trotz der extremen Armut fröhlich sind und offensichtlich auch feiern können (an die Opfertiere mag man nicht denken) und sind auch erleichtert, dass ihr Euch gut eingelebt habt. Wir wünschen Euch für die letzten Wochen noch eine Menge Durchhaltevermögen, aber auch Spass an der Arbeit und noch viele schöne Eindrücke in dieser exotischen, unerklärlichen Welt. Wir freuen uns auf Euch zu Hause, hoffentlich trifft Euch dann der Kulturschock, wieder im "kalten" Deutschland zu sein, nicht so hart. Nochmals viele liebe Grüße und bis bald!!! von Grit und Matthias

  • Familie Pausch

    3

    Hallo Frau Dr. Tunze, und Ihre mir unbekannten Mitstreiterinnen, ganz liebe Grüsse aus dem fernen Deutschland an sie alle . Danke für die vielen Eindrücke aus dem uns so fremd anmutenden fernen Land, denn so etwas sieht und hört man in keinem Fernsehbericht. Ihnen allen wünschen wir eine baldige und gesunde Rückkehr nach Deutschland. Für die noch verbleibende Zeit weiterhin viel Kraft. Es ist toll, dass Sie so vielen Menschen ein wenig Hilfe und Hoffnung bringen auch unter den sicherlich sehr gewöhnungsbedürftigen und einfachen Lebensbedingungen der dortigen Bevölkerung. Bis zu unserem Wiedersehen verbleiben mit den besten Grüssen Rosemarie und Siegfried Pausch

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