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ein Wochenende in Kalkutta

Nachdem der Eine mehr und der Andere weniger angeschlagen die Arbeitswoche überstanden hatte, waren wir froh dieses Wochenende nicht auf Reisen zu sein. Unser Plan galt der Entdeckung der touristischen Highlights von Kalkutta, die es ja wohl geben soll.

Als erstes besuchten wir das Victoria Memorial, einem kolonialem Prunkbau, von dem böse Worte sagen, er sei eine  Vereinigung von Taj Mahal, Sacre Coeur und dem Washingtoner Capitol. Der angenehm kühle Marmorbau liegt in einer wunderbaren Parklandschaft und kann ein schon für ein paar Stunden an die Historie der Kolonialzeit binden. Der anschließende Besuch der St.Pauls Cathedrale musste aufgrund der Schließung bis 15 Uhr auf den Sonntag verschoben werden.

Weltliche Entspannung fanden wir aber dann im Lavazzacaffee bei Mango Smoothie und richtigem italienischen, leckeren Kaffee.

Am Abend gingen wir auf Empfehlung von Einheimischen bengalisch Essen. Nun es war ein Versuch die Kultur auch von dieser Seite her kennenzulernen. In dem 1,60 Meter hohem Raum waren wir die einzigen Gäste. Wir reinigten zunächst den Tisch mit Feuchttüchern. Das Wasser in der Flasche wurde frisch vom Wasserhahn abgefüllt und somit als nicht genießbar zur Seite gestellt. Auf Bitten brachte man uns aber Gläser, welche auch gerade mit dem selbigen Wasser  ausgespült wurden. Zum Glück hatten wir unsere Wasserflaschen noch dabei. Da es keine Speisekarte gab, wurden uns die 3 Gerichte in der Assiette gezeigt und nach der Bestellung -Wahl zwischen Fisch und Huhn- auch gleich von dieser in die Mikrowelle geschoben. So waren sie wenigsten warm. Mit dem ersten Bissen brannte einem so der Schlund, dass jeder weitere sich erübrigte, naja es war eben ein Versuch…dann bleiben wir lieber bei der gemäßigten bengalischen Küche in unserem Home.

Am Sonntagmorgen hatten wir schon 7 Uhr eine Stadtführung mit einem Stadtführer gebucht. Er führte uns in den Jaintempel, wo gerade ein Fest beendet wurde. Er wollte sicherlich seine Verbundenheit zu Deutschland zeigen (Dt. Bank Chef ist doch Mitglied der „Jainsekte“). Er zeigte uns die Viertel mit den alten Palästen und Häusern die Denen in New Orleans nachempfunden worden. Doch wie Machode, dreckig, verkommen. Ein Jammer.

Sehr interessant war noch der Besuch des Marktes. Wir beobachteten mit Hochachtung und Entsetzen, welche schwere körperliche Arbeit die Porten an den Markthallen zu leisten haben. Sie sind wie eine eigene Kaste und bilden ihren Nachwuchs auch selber aus, indem sie diesen trainieren, immer schwerere Lasten auf dem Kopf zu tragen. Es ist unfassbar welche Gewichte sie auf ihren schwungvoll gebundenen Turbanen tragen. Man sagt bis zu 600-800 kg zu viert. Hochsaison für Orthopäden…

Diese unglaublichen Gedanken blendeten wir genussvoll beim Brunch im Oberoy Hotel aus. Somit nahm  der Sonntag ein genussvolles Ende.

Am Montag starteten wir mit einer neuen Kollegin aus Köln, „Marion wir begrüßen Dich“, wieder in die Ambulanzen.

Eine Überraschung mit neuen Patienten gab es beim Mobilteam in Santushpur. nach dem Mittag drängelten sich neue Patienten in die Reihe. Sie waren nicht gestempelt und somit konnten sie auch nicht behandelt werden (am Beginn der Sprechstunde geht ein Arzt immer durch die Reihen und stempelt alle Patienten, die wir behandeln können. Manchmal schaffen wir nicht alle, gerade wenn  mehr als 150 Patienetn warten). Als ich Tobias zum stempeln holte, musste er sogar lachen. Es hatten sich große Halbaffen unter und über die Patienten gemischt. Sie waren nur auf Essen scharf und stibitzten dann auch unter lautem Getöse den Biscuit von den Impfschwestern (ihr Trostpflaster).

Unter dem ganzen Stress, der Anspannung und Sorge um die Patienten sorgte dies für eine schöne Erheiterung.

Bis bald!

 

 

 

 

5 Kommentare

  • Silke Sanchez

    1

    Liebe Ina und Bettina! Mit sehr viel Neugier lese ich immer und immer Eure ausführlichen Berichte. Hut ab vor Eurer Kraft, die Ihr aufbringt, um die Menschen glücklich zu machen und auch noch die Zeit aufwendet und schreibt und schreibt, damit wir ganz nah bei Euch sein können. Danke dafür :) Die Zeit vergeht wie im Flug und Ihr werdet sicher noch viele Wochen nach Eurem Aufenthalt aufarbeiten müssen und wollen, was ihr gesehen, erlebt habt. Für uns hier ist es wenig spektakulär. Der ALLTAG rast dahin (und wirft schon öfters die Frage auf " Was mache ich hier eigentlich?"). Feiertage gibt es auch - um mal zu verschnaufen ganz gut. Der wunderschöne Herbst mit extrem vielen Sonnenstunden streichelt die Seele. Langsam aber sicher will die Natur aber Winterschlaf halten. Kälte und Nebel...und nächste Woche beginnt schon in Leipzig der Weihnachtsmarkt und Eure Rückkehr naht. Danke an Eure Familien und Praxisteams, die Euch unterstützen - so einfach zu sagen "ich bin dann mal weg" funktioniert ja nicht. Wir alle werden froh sein, wenn Ihr wieder zu Hause seid und dass hoffentlich GESUND!!! Ganz liebe Grüße und bis bald! Silke

  • Grit Tröbs

    2

    Hallo Bettina, herzlichste Grüße aus dem herbstlichen Leipzig. Voller Spannung haben wir, heute wieder, eine Seite eures Tagebuchs gelesen und ziehen den Hut vor dem was ihr dort täglich leistet. Für die verbleibende Zeit wünschen wir euch Kraft und Durchhaltevermögen.Genießt eure freien Tage und kommt gesund und mit vielen spannenden Geschichten zurück. Bis bald Ingo, Sophie und Grit

  • Klaus,Sabine

    3

    Hallo Liebe Frau Dr. Lipp und alle anderen lieben Ärtzte sowie Helfer. Ich hoffe ganz zu erst das es Ihnen gut geht. Verfolge mit großem Interresse Ihr Tagebuch. Die Arbeit scheint bei Ihnen nicht abzureißen ich wünsche Ihnen sowie Ihren Kollegen alle Nötige Kraft die für so einen Einsatz aufzubringen ist. Freue mich natürlich wenn Sie gesund und munter wieder da sind. Mit lieben Grüßen Sabine Klaus

  • Gabi Tiefensee

    4

    Meine liebe Ina, immer und immer habe ich Deine (Eure) Zeilen gelesen. Am Anfang ist es mir, trotz Deiner wunderbaren Beschreibungen, so schwer gefallen, mich in Deine Welt hinein zu denken und hinein zu fühlen. Wie so anders lebt und arbeitet Ihr! Wenn ich jetzt lese, dann ist es vor allem laut! - Ich kann nur hoffen, dass Du ein wenig Stille auf den Ausflügen erfahren hast. Liebe Ina, ich wünsche Dir sehr, dass Du gesund bleibst, weiter so viel Kraft hast und Menschen helfen kannst. Ich danke Dir sehr, dass Du mich an Deinem Erleben teilhaben lässt. Ich drücke Dich ganz fest, sei sehr behütet, Deine Gabi

  • Andreas Martin

    5

    Hallo, habe erneut mit Interesse die letzte Woche verfolgt und wünsche weiterhin Erfolg für die zweite Halbzeit. Danke für die tolle Karte aus Kalkutta und liebe Grüße aus der Heimat Ihr Andreas Martin und Frau Monika

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