Tagebuch

Projekte

Zu Besuch bei H.E.L.G.O.

Zu Besuch bei H.E.L.G.O.

Es wird Zeit, euch wieder ein wenig an unserem Alltag teilnehmen zu lassen.

inzwischen hatten wir schon Bergfest. Ein Bandmaß oder ähnliches werden wir auch in Zukunft nicht benötigen, denn die Wochen vergehen aufgrund der vielen interessanten Begegnungen wie im Fluge.Neben unserer Projektmanagerin Debohra Weiler aus Bonn , Christiane , der Apothekerin aus Köln sind seit über einer Woche Uta und Dankwart Kölle im Einsatz. Familie Kölle ist  Mitbegründer des Pushbahome Home , der Kindertuberkulosestation in selben Haus , in dem wir wohnen. Das Pushba Home wurde nach 2 jähriger Bauzeit mit vielen Hindernissen 2007 eröffnet und bietet 20-30 schwer Tuberkulose erkrankten Kinder aus den Slumgebieten endlich einen würdigen Behandlungsort.Es ist ein Patenprojekt unter dem Schirm der Ärzte für die Dritte Welt.

Die Kinder müssen mitunter ein – anderthalb Jahre auf dieser Station behandelt werden.Uta und Dankwart haben nicht nur mit die Idee gehabt, sondern auch die Projektumsetzung und Finanzierung  organisiert oder teilweise auch übernommen.Es können zwei indische Ärztinnen und 20 Mitarbeiter eingestellt werden, die die Kinder betreuen.Dabei belaufen sich die Kosten pro Monat für alles auf nur etwa 350€!!!und wird über Paten und Spender finanziert, die natürlich auch immer wieder beworben werden müssen!

Jeder Jahr kommen die “ Kölles“ 3 Wochen ins Pushba Home, um nach den Rechten zu sehen und selbst die Abwasserkänale zu reinigen, den Pinsel zu schwingen, Feuerplatz nach 1 Jahr wieder zu reinigen , also  selber Hand anzulegen und alles auf Fordermann zu bringen! Einfach toll, was diese Menschen leisten.

Am letzten Samstag wollten wir mit den Kinder der Station die geweiste Mauer der Einfahrt mit Farbe bemalen. Eine Woche hatten wir uns schon mit dem Hausmeister und auch der Leiterin vom Howrah Southpoint in Verbindung gesetzt, damit auch die Utensilien da sind. Naja, als wir beginnen wollten war nix vor Ort .Der Fahrer, der dann abgesandt wurde, brachte einen Wassermalkasten und 7 MAlpinsel mit….Es war wahrscheinlich die indische Art uns mitzuteilen, dass die Wand nicht bemalt werden soll.Also malten wir dann auf Papier mit Wasserfarben- was die Kinder noch nie gemacht hatten -kneteten mit Plastelina futuristische Wesen und malten Bilder aus. Wir hatten alle zusammen viel Spaß und nach 2 Stunden brauchten Bettina und ich erstmal eine Pause.Bettina hielt sich ganz tapfer, da sie nun inzwischen einen Infekt aufgefangen hatte undtrotzdem die Kinder mit bespasste.

Heute , zu Kali Puja,ist es üblich wie zu  Silvester bei uns,alles zu schmücken, Lichterketten aufzuhängen und natürlich viele Feuerwerke und Böller in die Luft zu feuern.Als Überraschung hatte wir für die Kinder im Pushpahome Sternchen – und Bengalfeuerstäbchen gekauft. Und unter viel Jubel am Abend abgebrannt.

Am Sonntag war Remembrance Day Service in The Cathedral Church of Saint Paul, einer anglikanischen Kirche. Diese Messe wird jährlich allen Gefallenen des ersten und zweiten Weltkrieges gewidmet und fand mit militärischen Ehren aller Gattungen statt. Mit ihren entsprechenden Uniformen und Orden dekoriert, legten  sie dann Kränze nieder.Die Messe dauerte anderthalb Stunden und der Priester hielt eine sehr empathische Predigt, der wir sogar teilweise folgen konnten. Anschließend gab es bei einer Tasse Tee noch small talk.

Danach  belohnten wir uns mit einer kleinen Shoppingtour  durch Kalkuttas Läden. Nice!

Unsere Arbeitswoche verlief sehr routiniert. Bettina fürchtet sich  am meisten vor der Ambulanz in Tikiapara und ich vor Topsia  ob der widrigen Arbeitszustände und Lautstärke.

Letzte Woche hatte ich einen 11 jährigem Jungen  der mit seinem Vater kam. Der Junge hätte wenig Appetit und  „weakness“ . Im Gespräch kam dann raus, dass er nur 2 Jahre die Schule besucht hatte und nun seit 2-3 Jahren als Schneider arbeitet…aber nur von 7-9 Uhr ,11-15 Uhr und 17-20 Uhr. Ansonsten könne er auch mit den anderen Kinder spielen. Da kam mir gleich die Idee vom Helgo project und ich fragte den Jungen und den Vater, ob er lieber zu Schule gehen würde, wenn die Familie dafür finanzielle Unterstützung erhalten würde. Der Junge schaute verschüchtert seinen Vater an und dann sagten beide : Nein…das schmerzte mich sehr.

Heute ist schon wieder ein hinduistischer Feiertag- Kali Puja.So sind wir wieder nicht in den Ambulanzen . Dafür besuchten wir verschiedene NGO Projekte in Kalkutta. Bettina und ich gingen nach Tikiapara in das H.E.L.G.O. Projekt,trafen  die neuen Volontaire  Stefan und Elias .Leider waren nur 10 Kinder wegen des Festes im Hostel. Diese freuten sich sehr über die mitgebrachten Süßigkeiten und das Obst.Die Kinder machten viel Spaß mit den Volontären und man hatte das Gefühl einer großen Familie.

Es ist großartig , was diese jungen Männer dort täglich mit Freude unter einfachsten Bedingungen leisten.Und noch unfassbarer ist , dass das Projekt weitergeführt und entwickelt wird obwohl immer wieder riesige Steine in den Weg gerollt werden. Gerne erinnern wir in diesem Zusammenhang an das erfolgreiche Benefizkonzert mit dem Reinhold-Quartett in der Konsumzentrale im Juni 2012  für dieses wunderbare  Projekt.

Nun wollen wir uns auf unsere Dachterasse begeben, um den Treiben und Knallerein aus guter Distanz zu zuschauen.

Bis bald Eure Ina und Bettina.

 

 

 

4 Kommentare

  • Nellus

    1

    Liebe Bettina, liebe Mami, ich kann mich nur an alle Kommentatoren der letzten Wochen anschließen: Es macht mich richtig froh, von euch hier zu lesen und ja, stolz bin ich auch ein bisschen. Einige eurer Schilderungen sind schier traurig. Es beruhigt mich wiederum, dass sich neben die dunklen Flecken eine Vielzahl fröhlich Leuchtende zu reihen scheinen. Vielleicht wirkt das ja gerade einem Gefühl der Bedrückung entgegen und schützt euch vor innerer Ermüdung. Ihr erscheint in euren Beschreibungen auf jeden Fall noch guter Dinge zu sein. Das finde ich stark. Ich verfolge nunmehr gespannt eure Erlebnisse, an denen Ihr uns durch euer Tagebuch so schön teilhaben lasst. Ich hoffe, dass sie Euch auch weiterhin positiv bestärken. Auf das Ihr nicht nur glücklich sein werdet, endlich nach Hause zu fahren, sondern auch auf eine gute Zeit zurückblicken könnt. Liebste Grüße an Mami und Bettina PS. Skypen die Woche Mami?

  • Silke Lindner

    2

    Hallo Frau Dr. Tunze, Ihre Reiseberichte sind so ergreifend und interessant!!!!! Ich wünsche Ihnen viel Kraft für alle noch anliegenden Vorhaben! Und bleiben Sie schön gesund! Herzliche Grüße, Silke Lindner.

  • Praxisteam

    3

    Liebe Bettina, das Bergfest ist geschafft! Mit großer Spannung folgen wir Euren Berichten aus der, uns ganz unreal erscheinenden, Ferne. Auch Deine Patienten fragen täglich nach Dir und Deinem Befinden. Alle bewundern Deinen Einsatz für diese Menschen. Und wir sind natürlich richtig stolz eine solche Chefin zu haben! Aber das Wichtigste wünschen wir Dir von ganzem Herzen: eine ganz schnelle Genesung und weiterhin ganz viel Kraft. Ganz liebe Grüße aus der fernen Heimat. Fühl Dich gedrückt von: Kerstin, Kathi und Lousia

    • admin

      4

      Lieben Dank an Euch ! PS: ich bin garnicht krank - keine Sorge !

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